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24.01.2011
Gaza - Schweigen ist Komplizenschaft
Ein aufrechter Gelehrter erhebt seine Stimme
Zur Situation in Gaza hat sich kürzlich eine bemerkenswerte Persönlichkeit sehr deutlich zu Wort gemeldet.
Richard Falk ist emeritierter Professor für
internationales Recht und internationale Beziehungen. Er hat viele Jahre
in Princeton gelehrt, er ist US-Amerikaner jüdischen Glaubens, und er
tritt unbestechlich für die Wahrheit ein, wenn es um die
palästinensisch-israelischen Beziehungen geht.
Zur Zeit ist er im dritten Jahr seiner 6-jährigen Amtszeit als
Sonder-Berichterstatter für palästinensische Menschenrechte bei den
Vereinten Nationen.
In einem Artikel auf seiner Website, der eigentlich als
Neujahrsbotschaft konzipiert ist, warnt er vor einer zweiten „Operation
gegossenes Blei“, also einer möglichen neuen massiven militärischen
Operation Israels gegen Gaza.
Den Artikel übernahm zuerst der arabische Nachrichtensender Al
Jazeera in seine online-Ausgabe vom 04. Januar. Er wurde vielfach
nachgedruckt und dabei u.a. auch ins Deutsche übersetzt.
In einer E-mail an die Redaktion dieser Website bedauert Prof.
Falk, dass der ursprüngliche Titel seines Textes nicht in die breitere Öffentlichkeit gelangt ist: STOP OPERATION CAST LEAD 2: THE MORAL SHOCK
AND AWE OF GLOBAL SILENCE—A New Year’s Message for 2011.
Der Artikel zeichnet sich durch eine radikale Deutlichkeit aus,
die wir hier in Deutschland - zumindest in den Medien des sog.
mainstreams - bitter vermissen.
Besonders hervorzuheben ist einerseits Richard Falks Anklage:
„Das Schweigen, im Angesicht der wachsenden Hinweise, dass
Israel plant, die "Operation Gegossenes Blei 2" auszulösen, ist eine
niederschmetternde Form von Komplizenschaft auf höchsten
Regierungsebenen, speziell seitens der Länder, die mit Israel eng
verbunden sind. Ausserdem spiegelt es den moralischen Bankrott der
Vereinten Nationen wider.“
Und andererseits beeindruckt seine Beobachtung bzw. Einschätzung:
„Einzig und allein die Zivilgesellschaft hat angemessen auf die
moralische, rechtliche und politische Situation reagiert. Ob diese
Reaktionen zum Ziel führen, wird nur die Zukunft zeigen.
Das Free Gaza
Movement und die Freedom Flotilla haben die Blockade viel effektiver in
Frage gestellt als die Vereinten Nationen oder irgendeine Regierung,
indem sie Israel (zumindest rein rhetorisch) zum Nachgeben gebracht hat
und indem die Zusage auf einen Blockade-Stop zumindest für humanitäre
Güter und Baumaterialien erreicht wurde.“
Es stimmt hoffnungsvoll, wie dieser unabhängige,
verdiente und geachtete Gelehrte die Rolle der Zivilgesellschaft als so
bedeutsam einschätzt.
Richard Falk hat übrigens die „Stuttgarter Erklärung“, die aus
der Palästina-Solidaritätskonferenz Ende November in Stuttgart
hervorgegangen ist, mit unterzeichnet und kommentiert.
Diese Erklärung liegt weiter online zur Mitunterzeichnung aus.
Original (engl.)
bei Al Jazeera (engl.)
Zum Weiterlesen über Richard Falk:
Am 15. Januar schreibt er unter dem Titel Jewish Identity einen selbstreflektorischen, sehr persönlichen Artikel, der noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt.







