Reza M. Behnam aus den USA spricht aus, was hinter dem Verhältnis USA-Iran steckt.
Geopolitik – ein hohles Gerede
Wenn wir uns umschauen in der Welt, wird schnell klar: Wir sollen daran gewöhnt werden, dass Feindseligkeiten und Kriege als „geopolitisch“ erklärt werden.
Dieser nichtssagende, verschwommene Begriff hat es geschafft – wie übrigens auch das missbrauchte „Hybrid“ – einen feinen Dunst von Vernunft und Verständnis um sich zu verbreiten. In diesem Dunst sollen Kriege vermehrt als sinnvoll, gerechtfertigt, alternativlos erscheinen.
Wie hohl das Gerede von einer verständnisheischenden Geopolitik ist, lässt sich schön zeigen. Ein zentrales Propagandalied der Nazis war Hans Baumanns „Es zittern die morschen Knochen“1. Mit Inbrunst wurde damals die Zeile geschmettert: „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“. Das war zweifellos eine lupenreine „geopolitische“ Forderung – als Beschreibung einer bevorstehenden Wirklichkeit formuliert. Im Namen Deutschlands wurde schon oft „Geopolitik“ betrieben. Das entsetzlichste Beispiel dafür, der von Deutschland ausgehende 2. Weltkrieg, forderte weltweit zwischen 60 und 80 Millionen Tote2, die größte Zahl der Opfer mit 27 Millionen Toten war in der Sowjetunion zu beklagen.
Wenn man alle Rechtfertigungen für Kriege als unhaltbar entlarvt, ist der innerste Kern solcher „Geopolitik“ bald freigelegt. Es ist der schrille Wahn eines Staates, andere beherrschen zu wollen. In seiner reinsten Form ist es der Wahn, sich alle Staaten auf dem Globus zu unterwerfen. „… und morgen die ganze Welt!“
Die reinste Form des Wahns
Genau diese reinste Form des Wahns steht für den iranisch-amerikanischen Politikwissenschaftler Prof. M. Reza Behnam hinter der Feindseligkeit, dem Vernichtungswillen und dem Krieg der USA gegenüber Iran.
In seinem Artikel „Warum der Iran den Vereinigten Staaten ein Dorn im Auge ist"3 im Online-Magazin ‚CounterPunch‘ vom 26.08.2026 geht er ausführlich auf diese irrationale Wut der USA auf Iran ein. Eine von Behnams Grundeinsichten: „Es ist die Dreistigkeit des Iran, völlig außerhalb des amerikanischen Einflussbereichs zu existieren – und damit auch noch Erfolg zu haben.“ Und – nicht ganz ohne Sympathie für Iran – schließt Prof. Behnam seinen Essay so ab:
„Im Grunde geht es bei der Frustration der USA gegenüber dem Iran nicht um dessen nukleares Potenzial, sondern um dessen Unabhängigkeit. Iran ist ein bleibender Beweis dafür, dass es trotz aller Flugzeugträger, Wirtschaftsblockaden und diplomatischen, abgerufen am Macht einer globalen Supermacht immer noch Orte auf der Erde gibt, die dem Imperium in die Augen schauen und „NEIN“ sagen.“
Anmerkungen
1 S. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baumann, abgerufen am 30.08.2026.
2 S. https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges, abgerufen am 30.08.2026.
3 Übersetzung ins Deutsche als PDF in der Bibliothek.
Engl. Original: https://www.counterpunch.org/2026/08/26/why-iran-ruffles-the-feathers-of-the-united-states/ , abgerufen am 30.08.2026.